per aspera ad astra

Claudia Mühlhans

ARTIST

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Termine

15.09.2017 - Vernissage in Berlin

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Bonjour-Aquarell.jpg

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Hier können Sie meine Gedichte des Monats nochmal in der Historie lesen.

Januar 2017

Untröstlich

Eine Entscheidung ist gefallen

so saust in unmittelbarer Nähe

ein Schwert herunter

zertrennt die Seide der Liebe

das Leinen der Pflicht –

Nichts bedeckt mehr

ihren Leib

kleide ich mit Küssen

im feinen Winkelmaß

des Seins –

Dann

ist sie nicht mehr

in meinem Wellenbereich

so weiß, so blau

so weit.

Februar 2017

An einem Tag im Januar

Die Liebe fiel –

stärker als der Tag –

wie ein Dolchstoß

in den Rücken mir

 

mit leichter Fechthand

hart wie zart

parier‘ mit Silberfingern

ich Glückspennys hier

 

auf mein täglich Brot

wickle es in Sonnenschein, so klar

und das war’s

an einem blauen Tag im Januar.

 März 2017  

Painting a word

 

Ich male Bilder mit Worten,

halte sie in der offenen Hand –

grazilen Einhörnern gleich,

verharren sie,

bereit, in jede Richtung zu fliehen –

ich erhasche hier einen Schweif,

dort eine schnaubende Nüster

(so zierlich und warm duftend),

plötzlich einen stampfenden Huf,

winzig wie der kleine Zehennagel

eines neugeborenen Kindes,

- ach, die ganze Herde passt

in eine Streichholzschachtel –

ungebärdiges Gesindel,

heute ist mit euch nichts anzufangen.

 

Ein einziges Exemplar ist bei mir geblieben,

zutraulich senkt es das gedrechselte Horn,

wie Mondlicht schwebt die Mähne

um die weiten Augen.

Schweigend frage ich nach dem Namen

Und das Geschöpf hinterlässt

Eine schimmernde Perlenschnur

In meiner Hand.

Morgentau ist heute so schön,

ein Versprechen auf morgen,

frisch wie der entstehende Tag,

beinhaltet Kühle, die der Wärme weicht,

in seinen Spiegeltröpfchen putzen sich Insekten

die Nacht vom Körper.

Morgentau ist das schönste Wort: weiß – rot – grün.

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

April 2017

Vogelsang

Wenn Du kämst

(aber Du kommst ja nicht)

picknickten wir

lautlosen Apfelkuchen

und

krachende Radieschen.

Keine Ameisen, keine Kinder

lassen wir auf die Decke krabbeln –

nur wir Zwei

nagen zierliche Hühnerbeine

vertilgen strengen Käse –

Liebesperlen auf Champagnerzungen

legen Schmetterlingsatem

in Deinen Mund –

Saftbeuteleien werden uns

nicht in den Rotwein

fallen –

der Blick Deiner grünen Augen

zerreißt den Himmel

durch die Blätter –

verstaue ihn behutsam

hinter Deinen Augenlidern und

wir werden wissen

wie Licht riecht

und Wind schmeckt –

Komm! - Wenn Du kämst …

(aber Du kommst ja nicht).

 

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

Mai 2017

Liebe

 

Ich kenn

ihn lang

schon fast zwölf Jahr

er hat sich nicht verändert –

doch ist er nicht

wie er mal war –

die Lider zart gerändert –

vom Leben mit sich

und mit mir

taucht er ganz langsam ein

in sich selbst

findet sich

und liebt sich –

nicht allein.

 

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

Juni 2017

Elvis war ein Kolibri

 

Jetzt

fällt der Flügelschlag

des Kolibris

auf das unerhörte Schweigen

der Luft –

elegant ins sirrende, schwirrende

Herz des Lichts.

 

Liebe

lässt uns runden

die Lippen

zum schmetternden Vibrieren

der Luft –

triumphierend geführt

zum goldenen Punkt.

 

Später

färbt kein Bogen das Licht

im Nichts

so rot, so rot, so rot

wenn unsere Köpfe neigen

an baumelnden Hälsen

so tot, so tot, so tot.

 

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

 Juli 2017

Der Juli trägt gelb

 

Weidenkörbe

honigwarm

gefüllt mit Kirschenrosen

Sonnenglast

die Luft voll Rahm

weiche Lippen kosen

Haut

die unter Strahlen

perlt.

 

Blätterrauschen

wisperzahm

gedämpft von grellem Sengen

Vögel huschen

flügellahm

zum Wasser, das jetzt

und für immer

unentwegt

glitzert.

 August 2017

Die Ballade von der Sally 4ever

1. Als Sally erfährt, dass ihr Mann sie betrügt,

    Mit einer jüngeren Kuh

    - Er ist ihr Dozent in Literatur

     Sie ist die Studentin dazu –

    Da trifft sie tiefinnen der Schlag.

    Und er hat mal geschworen, für immer nur Dein

    Sie erinnert sich genau an den Tag

    Die sirrende Nadel, das große Tatoo

    Sally 4ever soll’s sein.

 

2. Sie liebten sich innig und auch manchmal oft

    Dass Kinder entstanden, war gut

    Fliegender Wechsel in Vegas vom Ring

    Legitimierte die Liebesglut –

    Die Bank lieh Geld: Ein Haus, ein Muss.

    Und er schwor bei den Kindern, für immer nur Dein

    Sie spürt noch den besiegelnden Kuss

    Sie schlürfen das Leben, gelegentlich Wein

    Sally 4ever soll’s sein.

 

3. Es gehen die Jahre, die Häuser werden groß

    Die Kinder wachsen im Nu

    Sie lieben sich selten

    Doch beteuern’s sich oft –

    Als schauten sie ihrem eigenen Leben zu.

    Und er sagt zu ihr: Schatz, für immer nur Dein

    Sie spürt, er will seine Ruh’

    Sie sehen zusammen in des Fernsehers Schein

    Sally 4ever soll’s weiter sein.

 

4. Sie stellt ihn zur Rede: Wo ist die Liebe, Du?

    Er beteuert, das bedeute doch nichts

    Ein Mann rutsche nun mal aus ab und zu

    In dem komplexen Lebensgeflicht –

    Mit Würgen im Hals zeigt sie ein steinern’ Gesicht.

    Und er schwört auf den Knien, für immer nur Dein

    Sein Haar wird schon langsam licht

    Sie lässt sich auf Kompromisse ein

    Sally 4ever soll’s doch sein.

 

5. Erst weint sie, dann schreit sie, telefoniert

    Die Freundinnen stellen sich ein

    Verlass’ ihn, bleib bei ihm, sitz es doch aus

    Eine Frau wie Dich findet er nie –

    Noch mal, wie mag die Andere sein?

    Zweimal die Woche versichert er ihr: Ich bin für immer nur Dein

    Geht dann zu der Anderen

    Sie sitzt da und heult

    Sally 4ever allein.

 

6. Er blüht, sie welkt, die Kinder, sie flieh’n

    Da lädt sie die Andere ein

    Die kommt, sie ist jung

    Doch mehr ist sie nicht  

    Wie kann er nur so blöde sein?

    Und er sagt nicht mal mehr, für immer nur Dein

    Er grinst der Anderen zu

    Tätschelt den Schenkel, die patschige Hand

    Sally, soll’s immer so sein?

 

7. Und er holt seine Freundin ins glückliche Heim

    Die Arme leidet so sehr

    Das Haus ist doch groß, wir haben viel Platz

    Für die Nachbarn ist’s ein Aupair –

    Da schrumpft Sallys Liebe sich tot.

    Sie kann nicht mehr hoffen, für immer nur Dein

    Und stellt sich der inneren Not

    Trennt sich, nicht von ihm, aber schon

    Von Sally 4ever soll’s sein.

 

8. Sally kocht gut und sie kocht jetzt viel

    Schüttet listig Sahne und Fett

    Ins Essen der Nutte, der dämlichen Kuh

    Die frisst nämlich tüchtig was weg –

    In den weichen, schwammigen Schoß.

    Und er sagt jetzt wieder zu Sally, für immer nur Dein

    Sein Irrtum und die Reue sind groß

    Die Neue muss weg, der Reiz ist vorbei

    Sally 4ever soll’s wieder sein.

 

9. Und Sally packt der Kleinen ihr Zeug

    Der Mösenausflug ist zu End’

    Er reicht ihr einen Scheck, üppig wie Gold

    Die reißt ihn ihm aus den Händen –

    Dann ist sie fort, sie sind alleine zu Haus.

    Und er spricht unter Tränen, für immer nur Dein

    Sie sagt, morgen ganz früh ziehst Du aus

    Mein Herz gehört jetzt mir ganz allein

    Sally 4ever, so soll’s sein.

 

(aus: Claudia Mühlhans: „Der gemeine Zauber“)